Soziale Gerechtigkeit und Klimaschutz

Globale Klimagerechtigkeit kann nur funktionieren, wenn soziale und wirtschaftliche Aspekte nicht unter den Tisch fallen.

Tatsache ist, dass die reichsten 10% der Weltbevölkerung (zu denen wir dazugehören!) für über die Hälfte des Treibhausgasausstoßes verantwortlich sind. Die Konsumweise der westlichen Welt verursacht die höchsten Pro-Kopf-Treibhausemissionen, die härtesten Auswirkungen des Klimawandels treffen aber vor Allem die Länder des globalen Südens. Also die Menschen, die am wenigsten dazu beigetragen haben. (Dies ist auch einer der Gründe, warum bei uns so viele Menschen gar kein Problem mit dem Klimawandel haben – sie sind nur bedingt davon betroffen.) Es ist einfach so, dass Menschen mit niedrigem Einkommen gar nicht so klimaschädlich konsumieren können wie Wohlhabende, da ihnen einfach die finanziellen Mittel fehlen.

Aber auch bei uns werden Leute, die sich ein gewisses Maß an Konsum leisten können, vor Probleme gestellt, wenn sie nachhaltig leben wollen: Wenn Bahnfahren teurer ist als Fliegen, wenn Bio-Lebensmittel teurer sind als konventionelle, von den Preisen für E-Autos ganz zu schweigen, dann muss ökologische Veränderung immer auch eine soziale Komponente haben.

Eine scheinbar naheliegende Antwort zur Lösung dieses Dilemmas ist eine CO2-Steuer. Also, dass Dinge, die z.B. in ihrer Produktion sehr klimaschädlich sind, teurer gemacht werden. Dies würde allerdings erst einmal bedeuten, dass wir unsere Klimabilanz auf Kosten der Schwächsten unserer Gesellschaft beschönigen, die von solch einer Steuer besonders hart getroffen würden. Um soziale Ungerechtigkeit nicht noch weiter zu verstärken, ist ganz klar, dass die Einnahmen aus einer CO2-Steuer umgelegt werden müssten, um ärmere Menschen zu entlasten.

Soziale (Un)Gerechtigkeit wird darüber hinaus in höchstem Maße durch unser Wirtschaftssystem bedingt. Für eine Klima- und sozial gerechte Zukunft müssen wir uns über die Art und Weise unseres Wirtschaftens Gedanken machen. Ganz grundsätzlich kann ein System, dass auf permanentem Wachstum (sprich auf immer steigendem Konsum) basiert, auf einem Planeten mit begrenzten Ressourcen nicht ewig funktionieren. Auch sollten wir uns gezielte Frage stellen, etwa, ob nicht z.B. die Privatisierung der Deutschen Bahn einen maßgeblichen Teil dazu beitrug, dass die Notwendigkeit eines nachhaltigen, günstigen Fernverkehres hinter dem Streben nach Effizienz und Rentabilität zurückfiel.

Wenn wir tatsächliche Klimagerechtigkeit wollen, muss klar sein, dass soziale Faktoren nicht ignoriert werden dürfen und dass wirtschaftliche Faktoren nicht ignoriert werden können.

Simon Umbach (Landesleitung Naturfreundejugend Hessen), Juli 2019

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